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Volkshochschule feiert Gründung vor 30 Jahren:

Zuverlässiger Partner der Erwachsenenbildung

Landshuts früherer OB Deimer: Bildung ist ein Prozess der Persönlichkeitsentwicklung

30 Jahre Volkshochschule und 20 Jahre Gesundheitsakademie – dieses Doppeljubiläum galt es am Mitterweg zu feiern. Festredner war kein geringerer als Josef Deimer, Ehrenvorsitzender des Bayerischen Städtetages und Präsident des Bayerischen Volkshochschulenverbandes. Der ehemalige Landshuter Oberbürgermeister forderte in seinem Vortrag eine stärkere Gewichtung der Erwachsenenbildung als „Gegenmodell zum Megatrend des Konsums und des Egoismus und zuverlässiger Ideengeber für ein gesellschaftliches und soziales Miteinander“.

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Wie dieses Modell vor Ort aussehen kann, führte Vhs-Geschäftsführerin Marianne Dasch den geladenen Gästen vor Augen. Im „großen Bildungs-ABC“ der Vhs finden sich die klassischen Angebote der allgemeinen Erwachsenenbildung genauso wie berufsorientierte Weiterbildung und zunehmend so genannte Community-Projekte wie zum Beispiel KESS, eine Initiative zur Qualifizierung von Mitarbeitern in der Ganztagsbetreuung an den Schulen.

 

Wie sich der Trend zum lebenslangen Lernen in den letzten Jahren verfestigt hat, machte die Geschäftsführerin an Zahlen fest. So hat sich die „Verweildauer“ der Teilnehmer zwischen 2001 und 2008 von 19 auf 52 Doppelstunden pro Semester erhöht. Dies wertet Dasch als „Zeichen für die Qualität unseres Angebots, aber auch für den Bedarf in der Bevölkerung“.
Vhs-Vorsitzender Hans Dasch und Martin Neumeyer als Vorsitzender der Gesundheitsakademie erinnerten in ihrer Begrüßung an den Mitbegründer der Mainburger Volkshochschule im Jahre 1980, Rudolf Obermayer, zu dessen Ehren sich die Teilnehmer der Festversammlung bei einer Gedenkminute von den Plätzen erhoben. „Obermayer hat damals weit über den Tellerrand hinausgeblickt und sich damit große Verdienste um die Erwachsenenbildung erworben“, sagte Dasch.



An die Gründung der Gesundheitsakademie „health and more“ vor 20 Jahren erinnerte der damalige Gründungsvorsitzende Dr. Heinrich Roßmann. Nachdem die Naturheilkunde neben der Schulmedizin immer mehr Interesse fand, habe man sich dazu entschlossen, eine eigene Organisation zu schaffen, um diese Angebote zu bündeln und Kontakte zu namhaften Wissenschaftlern zu suchen. Mittlerweile hätten viele solcher Verfahren Eingang in die Therapie gefunden, enorme Resonanz hätten immer wieder die Arzt-Patienten-Seminare in ganz Deutschland gefunden.

 

Nach diesem kurzen Rückblick und der Darstellung des aktuellen Angebots durch Marianne Dasch wagte Josef Deimer einen Blick in die Zukunft der Erwachsenenbildung. Für Staat und Kommunen sei es unabdingbar, lebenslanges Lernen landesweit und flächendeckend zu ermöglichen. Denn Bildung und demokratische Lebensformen gehörten zusammen. Unabdingbar sei aber auch, die Träger der Erwachsenenbildung mit ausreichend finanziellen Mitteln auszustatten. „Die Kommunen stehen zu ihrer Verantwortung, der Freistaat sollte Gleiches tun und wahrnehmen, dass die öffentliche Verantwortung für Bildung nicht mit dem 18. Lebensjahr endet“, sagte der Ehrenvorsitzende des Städtetages.

 

Gleichzeitig redete Deimer aber auch einer „neue Lerngesellschaft“ das Wort. Bildung, Lernen und Wissen sind nach seinem Dafürhalten neu zu definieren. Bildung sei immer mehr auf Freiwilligkeit angewiesen, könne also nicht nur verordnet oder gar erzwungen werden. „Bildung wird zunehmend als ein lebenslanger Prozess der Entwicklung von Persönlichkeiten gesehen, die immer und unbeirrt das Ziel eigenständiger Lebensführung im Auge hat“.

 

Die Reduzierung des Bildungsbegriffs auf Kernkompetenzen ist dem Humanisten Deimer ein Graus. Für ihn sind gerade die musischen Bereiche in einer modernen, globalisierten Wissensgesellschaft auf dem Weg zur „gebildeten Gesellschaft“ von herausragender Bedeutung. Diese neuen Perspektiven für die Bildungspolitik als Wirtschafts- und Sozialpolitik des 21. Jahrhunderts sollten im Kulturstaat Bayern zuverlässig berücksichtigt sein. Dafür sei es „höchste Zeit neue Mittel zur Verfügung zu stellen“. Allen übervorsichtigen und ängstlichen Haushaltspolitikern gab der ehemalige Landshuter OB folgendes zu bedenken: „Bildung rechnet sich nicht, sie zahlt sich aus.“

 

Josef Deimer wie auch nach ihm Karl-Heinz Eisfeld als Landesvorsitzender des Volkshochschulverbandes bezeichneten die Vhs Mainburg als einen bedeutenden und angesehenen Partner in der Solidargemeinschaft des Verbandes. „Man fühlt sich bei Ihnen sofort zuhause und unter Freunden“, lobte Eisfeld die familiäre Atmosphäre am Mitterweg. Bei so viel Lob wollte das Stadtoberhaupt nicht zurückstehen: „Als Bürgermeister kann ich nur stolz sein, eine solche Einrichtung in unserer Stadt zu haben“, sagte Josef Reiser in seinem Grußwort.


Artikel Hallertauer Zeitung, 17.05.2010:

2010-05-17_Zuverlaessiger_Partner_der_Erwachsenenbildung.pdf